Competitive Landscape

Strukturwandel im Einzelhandel: Gewinner und herausgeforderte Mittelstädte

Februar 2015


Key Insights
  • Der klein- und mittelständisch geprägte Handel ist eine wichtige Stütze für die Vitalität und Attraktivität der Innenstädte sowie für die Beschäftigung.
  • Handelsendogene sowie -exogene Einflüsse treiben einen Strukturwandel im Einzelhandel voran und setzen insbesondere den eigentümergeführten Fachhandel unter enormen Druck.
  • Kleinere Betriebsformen können dem Preis- und Angebotswettbewerb immer weniger standhalten und verfügen meist nicht über die notwendigen finanziellen Mittel und Kompetenzen, um dem Strukturwandel zu begegnen.
  • Klein- und insbesondere Mittelstädte verlieren in der Folge massiv an Attraktivität. Sinkende Umsätze durch den Verlust von Kunden und Kaufkraft führen dann im Einzelhandel zu Tragfähigkeitsproblemen und dem Ausscheiden von Unternehmen.
  • Gewinner-Städte in unserer Studie sind typischerweise kleine Städte mit durchschnittlich 23 Prozent weniger Einwohnern, dafür jedoch mit einer deutlich höheren Einzelhandelskaufkraft je Einwohner, denen es gelingt, durch Ausspielen ihrer Stärken die Kaufkraft in den Städten zu halten.

Der Einzelhandel im engeren Sinne wächst nur sehr langsam und wird 2014 (+1,5 Prozent nominal) auf einem Umsatzniveau von 440 Milliarden Euro schließen. Gewinner aktueller Wachstumsdynamiken ist dabei der Online-Handel, dessen Anteil am Einzelhandel sich von aktuell 11,2 Prozent bis 2020 auf circa 20 Prozent ausweiten wird. Da der Online-Handel bisher vorwiegend in innenstadttypischen Produktkategorien erfolgreich war, führt dessen Erfolg dazu, dass sich viele bewährte Konzepte im stationären Handel neu erfinden müssen. Davon scheint besonders der Fachhandel betroffen, der heute den größten Teil des stationären Handels ausmacht. Der eigentümergeführte Handel steht dabei besonders unter Druck und es vollzieht sich ein Umbruch vom kleinbetrieblichen Fachhandel hin zu Filialisten und Fachmärkten sowie Online-Handelskanälen. Einerseits, da kleinere Betriebsformen dem Preis- und Angebotswettbewerb immer weniger standhalten können. Andererseits, da Kleinunternehmen oftmals die finanziellen Mittel und Kompetenzen fehlen, eigene spezialisierte Online-Angebote aufzubauen.

In der Folge lässt sich nicht nur eine zunehmende Konzentration (wie beispielsweise im Lebensmittelhandel) beobachten, sondern auch eine voranschreitende Filialisierung des Einzelhandels. Neben diesen handelsendogenen Einflüssen treiben zahlreiche handelsexogene Einflüsse den Strukturwandel im Einzelhandel voran. Allen voran sind hier die Konsumenten betreffend veränderte Einkommens-, Verhaltens- und Mobilitätsfaktoren zu nennen. Darüber hinaus befeuern Vorgaben des politisch-administrativen Systems (beispielsweise Öffnungszeiten, Vergütungs- und Beschäftigungsbedingungen, Ansiedlungsbeschränkungen im Rahmen der Raumordnung und Bauleitplanung oder Abgaben und Umlagen) die Transformation des Einzelhandels.

Einzelhandel ist von zentraler Bedeutung für die Vitalität und Lebensqualität von Städten

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Waren des täglichen Bedarfs ist eine wesentliche Stütze der Vitalität und Attraktivität der Innenstädte beziehungsweise Ortskerne. Neben ihrer funktionalen Bedeutung für die wohnungsnahe Versorgung, ist der innerörtliche Einzelhandel als sozialer Treffpunkt, als Arbeitsstätte für ortsansässige Beschäftigte sowie für das Ortsbild von maßgeblicher Bedeutung. Dabei stellt insbesondere der klein- und mittelständisch geprägte Handel eine wichtige Beschäftigungsstütze dar. Rund 90 Prozent der knapp drei Millionen im Einzelhandel Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern. Mit einem Vollbeschäftigtenanteil von über 40 Prozent sichern diese Einzelhandelsunternehmen insbesondere in Klein- und Mittelstädten die Erwerbstätigkeit und damit die Prosperität dieser Räume ab.

Klein- und Mittelstädte sind von den Folgen des Strukturwandels im Einzelhandel besonders betroffen

Gewachsene Innenstadtbereiche, vor allem von Klein- und Mittelstädten, stehen aufgrund des Wettbewerbs mit Online-Händlern, Einkaufszentren, ‘Grüne Wiese’-Standorten und großstädtischen Geschäftszentren großen Herausforderungen gegenüber. Für viele große Handelsunternehmen sind zudem Flächen unter 600 Quadratmetern (kategorie- und formatabhängig) nicht rentabel zu betreiben. Der Fokus auf Skalenersparnisse resultiert in einem Zwang zur Größe. Damit bestehen im Wettbewerb nur jene Standorte, die über ausreichendes Umsatzpotenzial, das heißt über einen ausreichend großen Einzugsbereich verfügen.

Klein- und Mittelstädte sowie der ländliche Raum sind von den beiden Phänomenen des demographischen Wandels, nämlich sinkenden Bevölkerungszahlen sowie einer Alterung der Bevölkerung, besonders betroffen. Sinkende Umsätze durch den Verlust von Kunden und Kaufkraft führen dann im Einzelhandel zu Tragfähigkeitsproblemen – sowohl für filialisierte Handelsunternehmen als auch für Kleinbetriebe wie beispielsweise Lebensmittel-, Gemischtwarenläden oder Metzgereien. Betroffen von dieser Gefährdung der Nahversorgung sind in besonderem Maße weniger mobile Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche oder Personen mit geringem Einkommen. Damit besteht für ländliche Regionen die greifbare Gefahr, dass jegliche Bereitstellung von Infrastrukturen nur noch zu relativ höheren Kosten geleistet werden können. Möglichkeiten dies zu beheben, wie beispielsweise virtuelle Läden, Lieferdienste oder sogenannte ‘Drive in’-Supermärkte sind zwar in der Erprobung, werden von den großen Einzelhandelsunternehmen jedoch nur in Ballungszentren oder Großstädten angeboten. Die Vorteile, die sich durch die zunehmende Digitalisierung des Handels ergeben, sind im ländlichen Raum flächendeckend nur bedingt vorhanden. Zum einen aufgrund eines teilweise schwachen Ausbaus von Internet-Breitband-Verbindungen, zum anderen aufgrund der veränderten Qualifikationserfordernisse, die der digitale Handel an Mitarbeiter stellt.

 

Studie#6_Strukturwandel im Einzelhandel

Download PDF

Downloadlink senden an:

Ja, ich möchte den Download-Link der obigen Publikation erhalten.

 

 

Schlagworte:

Brick-and-Mortar, Competitive Landscape, Handel, Retail, Social & Public Sector, Strategy, Strukturwandel im Einzelhandel, Studie

Kontaktieren Sie uns

Sehr gerne stehen wir Ihnen beratend zur Seite.

Kontakt IIHD | Institut